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Fußball ist nicht nur Deutschlands Nationalsport Nummer eins, sondern ist auch tief in unserer Kultur und Geschichte verankert – nicht zuletzt sind es die Legenden des Sports und die phänomenalen Ereignisse und Wettbewerbe, die Fußball hierzulande zu einem solch wichtigen Sport machten. Doch was in Deutschland einst die beliebteste Nebenbeschäftigung der Welt war, verliert stetig an Popularität. TV-Quoten sacken ab, das Interesse bröckelt, die Bundesliga verliert an Attraktivität.

 

TV-Quoten im Sinkflug

 

Nachdem im Vorjahr die TV-Zuschauerzahlen der Bundesliga noch gestiegen waren, gingen die Quoten in der Hinrunde der Saison 2021/22 teilweise um über 20 % zurück. Selbst die wichtigsten Sendungen rund um die Bundesliga verzeichneten zuletzt Einbrüche bei den Zuschauerzahlen. Nachdem die ARD in der Vorsaison zur Sportschau am Samstag noch knapp 4,8 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockte, waren es zur Hinrunde dieser Saison gerade einmal knapp über 4 Millionen. Ein ähnlicher Trend zeichnete sich für das aktuelle Sportstudio im ZDF ab: Im Vergleich zu den 2 Millionen Zuschauern im Vorjahreszeitraum waren es zur Hinrunde 2021/22 nur unter 1,8 Millionen TV-Zuschauer. Maßgebliche Zuschauereinbrüche verzeichnete auch der Pay-TV-Anbieter Sky, der für die Samstagsspiele um 15:30 Uhr einen Zuschauerrückgang von über 14 % und für die Topsspiele um 18:30 Uhr sogar ein Minus von 22 % im Vergleich zum Vorjahr bilanzierte.

 

Fehlt es der Liga an Spannung?

 

Die Einschaltquoten sinken, das Interesse am deutschen Spitzenfußball nimmt ab. Die mangelnde Spannung und die klaffende Lücke zwischen den Top-Teams und dem Rest der Liga sorgen bei vielen Fans für wachsende Langeweile. Seit inzwischen zehn aufeinanderfolgenden Saisons schnappt sich Rekordmeister Bayern München Jahr für Jahr die Meisterschale – nun schon zum 32. Mal. Mit der Monopolstellung der Bayern ist das Rennen um den Meistertitel schon seit Jahren kein tatsächliches Titelrennen mehr. Es ist daher nicht überraschend, dass die Experten bei den Buchmachern dem Rekordmeister auch für nächstes Jahr wieder unglaubliche Quoten einrechnen, wenn man auf eine Meisterschaft der Bayern Wetten will. Der Champion wird aktuell mit einer scheinbar unschlagbaren Quote von 1.15 für 2022/23 bewertet. Dortmund folgt an zweiter Stelle, mit einer Quote von 8.00 hat der vermeintlich ewige Zweite kaum eine Chance. Dass Leipzig an dritter Stelle mit einer Quote von 15.00 und Leverkusen bereits mit 50.00 an vierter Stelle folgen, unterstreicht die unausgeglichene Machtverteilung in der Liga umso mehr (Stand: 12.05.). Im Grunde gibt es demzufolge kaum mehr als eine Handvoll Top-Spiele pro Saison, was die Bundesliga an Attraktivität verlieren lässt. Statt nach dem Titelsieg zu greifen, ist für die Top-Teams inzwischen in erster Linie das Erreichen der Champions League das Ziel. Der Sieg der Meisterschaft ist nach nun einem Jahrzehnt der Bayern-Herrschaft für die Konkurrenz kaum noch ein realistisches Ziel.

 

 

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Internationale Ligen und deutsches Unterhaus sind attraktiver

 

Während in der deutschen Bundesliga der sportliche Wettbewerb an Bedeutung zu verlieren und sich eine wahrliche Monokultur herauszufiltern scheint, bieten andere Ligen mehr Spannung und hitzigere Titelrennen. Das zeigt sich schon in der 2. Liga, die in diesem Jahr als die beste aller Zeiten bezeichnet wurde. Schon vor Beginn der Saison 2021/22 wurde die 2. Liga als spannender bewertet als die Bundesliga. Dies ergab eine Umfrage der Voting-Plattform FanQ im Auftrag des Sport-Informations-Dienst (SID). Etwa zwei Drittel der Befragten gaben darin an, dass sie in dieser Saison die 2. Liga spannender einschätzen als das Oberhaus. Dies ist vor allem auf die Anwesenheit zahlreicher Traditionsvereine im deutschen Unterhaus zurückzuführen. Mit Schalke 04, Werder Bremen und dem Hamburger SV spielte diese Saison geballte deutsche Fußballtradition in der Zweitklassigkeit und liefert den Fans ein spannendes Kopf-an-Kopfrennen um den Aufstieg.

 

Gleichermaßen zeigen internationale Ligen, dass es auch im Spitzenfußball spannende Titelrennen geben kann. Während es in Deutschland in den vergangenen zehn Saisons nur ein und denselben Meister gab, waren es zum Beispiel in der englischen Premier League mit Manchester City, Liverpool FC, Chelsea, Leicester City und Manchester United gleich fünf verschiedene Teams, die sich den Meistertitel sicherten. In der spanischen LaLiga und der französischen Ligue 1 waren es jeweils drei verschiedene Clubs und in Italien zumindest zwei. Damit ist die Spitze in den europäischen Fußball-Ligen deutlich umkämpfter und das Titelrennen für Fans spannender.

 

Das Interesse an der deutschen Bundesliga nimmt ab, die Einschaltquoten befinden sich im Sinkflug. Während im Kampf um den Meistertitel kaum noch ein Team den Bayern Paroli bieten kann, verliert die Bundesliga für viele Fans an Spannung. Ob die deutsche Spitzenliga den Trend in den nächsten Jahren wieder umkehren kann, muss die Zukunft zeigen.

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